Unter Anklage: Moderne Sklaverei. Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen in Katar

28. Mai 2018 | Glenn Jäger

Über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen in Katar wurde viel berichtet. Ein Rückblick zeigt: Verbesserungen blieben begrenzt.

»Katars politisches System mag autokratisch sein, aber es ist stabil und beliebt zugleich«, bilanziert Mehran Kamrava von der »Georgetown University’s School of Foreign Service in Qatar« (2015: 107). Frage, Herr Professor: Beliebt bei wem? »Von den 2,7 Millionen Menschen in Katar sind 2,4 Millionen Ausländer, nur etwa 315.000 sind Staatsbürger. « (SZ, 28.6.2017) Im Zuge des Baubooms ist die Nachfrage nach migrantischen Arbeitskräften ungebrochen. […]

Die Arbeitsbedingungen, die 2013 für Schlagzeilen sorgten, beruhten auf dem sogenannten Kafala-System, das in den Golf-Staaten weit verbreitet ist und ein Bürgschaftssystem bezeichnet (kafil = Bürge). Der Bürge ist nicht der Staat, sondern meist der jeweilige Lohnherr. Der kann den Arbeitern – und vor allem im Haushaltsbereich: den Arbeiterinnen – untersagen, die Arbeitsstelle zu wechseln und bei einer vertraglichen Laufzeit von meist zwei bis fünf Jahren auch die Pässe einziehen. Durch diese Form der Auslieferung besteht im Kern nicht bloß ein Ausbeutungsverhältnis, sondern eine buchstäbliche Entrechtung.

Infolge internationaler Kritik verkündete Katar eine Arbeitsmarktreform, mit der das Kafala-System im Dezember 2016 formal abgeschafft wurde. Laut Arbeitsminister Issa bin Saad al-Jafali al-Nuaimi sollte es ersetzt werden »durch ein modernisiertes, vertragsbasiertes System, das die Rechte von Arbeitern schützt und die Job-Flexibilität erhöht.« (deutschlandfunk.de, 13.12.2016) Im Falle von Misshandlungen sollte der Arbeitsplatz gewechselt werden können. Ende Oktober 2017 kündigte Katar auf Druck der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weitere Verbesserungen an.

Zunächst einmal bietet eine Verantwortung durch den Staat statt der Bürgschaft eines einzelnen Unternehmers die Chance auf weniger Willkür. Skeptisch macht indes: Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) bezeichnete Katar als »einen wie ein Unternehmen verwalteten Staat« (zit. n. Hintergrund 3/2013: 49). Im selben Bericht sprach der IGB von »Sklaverei im 21. Jahrhundert«. Das Wort machte ebenso die Runde wie die Mahnung von Amnesty International vor »schockierenden Fällen von Zwangsarbeit, Gewalt und Betrug«. (zit. n. sport1.de, 23.4.2014).

Ob Begriffe wie Sklaverei, Arbeitssklaven oder Zwangsarbeit gleichermaßen analytisch wie operativ nützlich sind, erscheint müßig. In der Wochenzeitung der Freitag gibt Tom Mustroph zu bedenken: »Das harte Etikett unterschlägt freilich, dass sich die meisten Arbeitsnomaden freiwillig um einen gut bezahlten Job bemüht haben, von dem sie in ihren Heimatländern nur träumen können.« (17.3.2016) Das mag nur bedingt etwas mit der Beobachtung eines Franz Beckenbauer gemein haben, der »nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen« haben will; und doch gilt es, der Kritik nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen, zumal das mit dem »gut bezahlten Job« so eine Sache ist: Klagen über nicht oder sehr spät gezahlte Löhne sind ebenso an der Tagesordnung wie weit unter den versprochenen Summen liegende Verdienste. […]

Doch was sind solche Berichte gegen Meldungen, die Jens Berger (2015: 217 f.) so zusammenfasst:

»In den letzten zwei Jahren sind allein 450 indische Bauarbeiter ums Leben gekommen – von den Kollegen aus Nepal stirbt im Schnitt jeden Tag ein Bauarbeiter. Die Experten gehen davon aus, dass bis zur Fertigstellung der Stadien und der Infrastruktur weitere 4000 Arbeiter ihr Leben lassen müssen.«

Von den 44 nepalesischen Arbeitern, die laut Guardian zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 2013 auf Baustellen ihr Leben ließen, waren die häufigsten Ursachen Arbeitsunfälle und Herzversagen – bei außergewöhnlich langen Arbeitszeiten, extremer Hitze und teilweise verwehrtem Trinkwasser. In dem online abrufbaren Bericht (theguardian.com, 25.9.2013) ist das Faksimile einer Liste der nepalesischen Botschaft mit Todesursachen und anderen Informationen einsehbar.

Und was tat der Weltfußballverband, als sich solche Schlagzeilen häuften? Er zeigte sich protokollgerecht »besorgt« (GA, 27.9.2013). Den Kern dürfte Berger treffen:

»Das Schicksal der ›Habenichtse‹ aus der Dritten Welt ist der FIFA nicht einmal eine Randnotiz wert. Nach Aussagen des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger wurde dieses Thema im FIFA-Exekutivkomitee mit dem lapidaren Satz ›Das geht uns nichts an‹ vom Tisch gewischt. … Die FIFA interessiert sich nicht für mittellose Arbeiter aus der Dritten Welt, solange dies die Interessen der Sponsoren nicht berührt. Wenn dies einmal der Fall ist, zeigt die FIFA jedoch, was möglich ist. So mussten sowohl Brasilien … als auch Katar ihre Gesetze ändern, so dass der FIFA-Sponsor Budweiser sein ›Bier‹ bei der WM verkaufen kann. Das Leben von tausenden Indern und Nepalesen lohnt sich jedoch nicht, um beim Gastgeberland zu intervenieren.« (Berger 2015: 219)

Während es an der FIFA war, die Füße stillzuhalten, galt es für Katar, die Negativschlagzeilen in Grenzen zu halten – nachdem es schon unschöne Korruptionsvorwürfe gegeben hatte. […] Dass das Emirat Verbesserungen in Aussicht stellen musste – und seien es kosmetische –, lag kaum an jenen, die von den laxen Arbeitsgesetzen profitierten, auch wenn sich der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu der Behauptung verstieg, »gerade deutsche Unternehmen sorgten … dafür, dass die Arbeitsbedingungen angehoben würden« (Zeit online, 10.3.2015).

Öffentlicher Druck von Gewerkschaftsverbänden

[…] Zu ersten Aktionen kam es 2013 mit der internationalen Kampagne »Red Card for FIFA. No World Cup without Worker’s Right«, in Deutschland von der IG BAU unterstützt. Wenige Wochen nach dem enthüllenden Guardian-Bericht kam es im Herbst 2013 zum unerwarteten Schulterschluss zwischen DGB und DFB. Ein Agenturbericht meldete über die »gemeinsame Aktion für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen«:

»DGB-Chef Michael Sommer sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, auf den WM-Baustellen werde weiterhin ›gequält und gestorben‹. In Absprache mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach soll daher nun der Weltverband Fifa und über ihn das Emirat in die Pflicht genommen werden. Demnach wollen Sommer und Niersbach die 24 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees mobilisieren. Sommer werde dazu die Gewerkschaftschefs in jenen Ländern anschreiben, aus denen die 24 Fifa-Funktionäre stammen. … ›In maximal sechs Wochen‹ wollen sie laut Sommer die Ergebnisse ihrer Aktion sichten. ›Dann gehen wir auf die Fifa los‹, sagte der Gewerkschafter. Konkret wollen die beiden Verbände erreichen, dass künftig die Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auch in Katar gelten. Dafür soll die Fifa sorgen. Dazu gehören etwa die Beseitigung von Diskriminierung und Zwangsarbeit sowie die Zulassung von Gewerkschaften.« (zeit.de, 31.10.2013)

Über die Aktion lässt sich sagen, was dereinst für folgenlose Eckstöße galt: sie verpuffte. Das lag nicht nur an einer bockbeinigen FIFA, sondern auch an einem wenig druckvoll aufspielenden DFB, der ja einer der bedeutendsten Akteure innerhalb des Weltverbands ist. Am Ball blieben die Gewerkschaften, auch in Form des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), dem der damalige DGB-Vorsitzende Sommer ab 2010 als Präsident vorstand. Auf der Internetseite des DGB hieß es im Dezember 2015 auf Basis von Hochrechnungen:

»Der neue IGB-Bericht zu Katar trägt den Titel ›Katar: Gewinner und Verlierer‹. Denn die Arbeiter bezahlen mit ihrem Leben, während Großkonzerne Milliardengewinne machen: Die meist westlichen Unternehmen, die in Katar die Infrastruktur für die FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 bauen, werden dort laut IGB-Bericht Gewinne in Höhe von 15 Milliarden Dollar machen und dabei auf bis zu 1,8 Millionen Wanderarbeitskräfte zurückgreifen, die ›wie moderne Sklaven behandelt werden‹. … ›Alle Vorstandsvorsitzenden, die in Katar Geschäfte machen, sind sich bewusst, dass ihre Gewinne durch erschreckend niedrige Löhne in die Höhe getrieben werden, Löhne, die oft auf einem diskriminierenden rassistischen Lohnsystem basieren, und dass für diese Gewinne die Sicherheit aufs Spiel gesetzt wird, was unhaltbare arbeitsbedingte Verletzungen, Krankheiten und Todesfälle zur Folge hat‹, kommentiert Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes. … Gestützt auf neue Daten, die aus Katars eigenen offiziellen Statistiken hervorgehen, schätzt der IGB, dass 7.000 Arbeiter bis zum ersten Anpfiff der WM 2022 auf den WM-Baustellen sterben werden. ›Katar weigert sich nach wie vor, die tatsächliche Zahl der Todesopfer unter den ausländischen Arbeitskräften oder die wirklichen Todesursachen zu veröffentlichen. Die große Mehrheit der Arbeiter wird für das immense WM-Infrastrukturprogramm bis 2022 benötigt. Wenn man Katars eigene Statistiken und Gesundheitsberichte der letzten drei Jahre analysiert, wird deutlich, dass frühere Prognosen, wonach 4.000 Arbeitskräfte bis 2022 sterben könnten, eine tragische Unterschätzung war. Die tatsächliche Sterbeziffer liegt bei über 1.000 pro Jahr … In Katars Notaufnahmen werden pro Tag 2.800 Patienten eingeliefert, 20 % mehr als von 2013 bis 2014‹, so Sharan Burrow.«

Als sich an der Lage wenig änderte und sich auch die FIFA nicht weiter rührte, wurde 2016 vor dem Handelsgericht des Kantons Zürich eine Klage eingereicht: »Ein Arbeiter aus Bangladesch und der niederländische Gewerkschaftsbund FNV verklagen den Fußball-Weltverband FIFA vor einem Schweizer Gericht – wegen der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die FIFA-WM 2022 in Katar.« (dgb.de, 11.10.2016) »Wir wollen, dass die FIFA Verantwortung übernimmt und der Ausbeutung der Arbeiter ein Ende setzt«, so der FNV. (ebd.) Zur weiteren Begründung hieß es in der 127-seitigen Klageschrift:

»Weil die FIFA bei der Vergabe der WM 2022 an Katar nicht gleichzeitig die Einhaltung elementarer Arbeits- und Menschenrechte eingefordert habe, sei sie für die Situation der Gastarbeiter auf den WM-Baustellen mitverantwortlich. Die FIFA solle verpflichtet werden, die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zu beenden, indem sie Katar zu Arbeitsmarktreformen dränge, die den Gastarbeitern unter anderem Klagen gegen ihre Arbeitsbedingungen vor ordentlichen Gerichten ermöglichen und das vom IGB als ›Sklaverei-System‹ verurteilte ›Kafala-System‹ beenden.« (dgb.de, 11.10.2016)

Doch im Land ihres Sitzes genoss die FIFA Schutz. So berichtete der Deutschlandfunk Anfang Januar 2017: »Ein Gericht in der Schweiz hat eine Klage gegen die Fifa … abgewiesen. Geklagt hatten Gewerkschaften aus den Niederlanden und Bangladesch. Sie wollten den Fußball-Weltverband dazu bringen, Katar zu zwingen, die Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeitskräfte zu verbessern.« (zit. n.: labournet.de, 11.1.2017)

Dennoch hatte der Druck samt der Negativschlagzeilen für das Emirat gewisse Fortschritte gezeitigt. Zwischenzeitlich war die Internationale Vereinigung der Bauarbeiter-Gewerkschaften (BHI) auf den Plan getreten, die bereits 2012 zu der Kampagne »Kein Weltcup im Jahre 2022 ohne Rechte für Arbeitsmigranten/innen« aufgerufen hatte. Die IG BAU 2016:

»Für Tausende Bauarbeiter auf WM-Baustellen in Katar verbessern sich die Arbeitsbedingungen. Die … BHI, in der die IG BAU Mitglied ist, hat heute ein entsprechendes Abkommen mit dem Obersten Ausschuss für die WM … in Doha unterzeichnet. ›Sportevents auf Kosten der Beschäftigten wollen wir nicht. Lange haben wir auf die gefährlichen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen und die unzureichenden Zustände in Unterkünften der Bauarbeiter aufmerksam gemacht. Mit diesem Abkommen bekennen sich die Beteiligten zu ihrer Verantwortung‹, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers, der zugleich Vizepräsident des BHI ist. ›Wir wollen als Gewerkschaften intensiv mit den Verantwortlichen vor Ort zusammenarbeiten und die Einhaltung internationaler Standards sicherstellen. … Im Einzelnen ist in dem nun getroffenen Abkommen unter anderem geregelt, dass Gewerkschaften zusammen mit dem WM-Ausschuss in Katar Arbeitsschutz-Inspektionen auf Baustellen und in Unterkünften durchführen. Gemeinsam werden Schulungen zu Gesundheit und Sicherheit veranstaltet.« (igbau.de, 15.11.2016)

Obgleich der BHI nur reine WM-Baustellen untersuchen darf – Hotels oder Infrastrukturprojekte sind ausgenommen, auch wenn diese im Zusammenhang mit der WM entstehen –, gab sich der Verband optimistisch. Schäfers:

»Wir haben nun die Möglichkeit, offiziell in dem Land aufzutreten. Wir können Telefonnummern und Visitenkarten verteilen. Dadurch kommen wir in sehr viel engeren Kontakt zu den Arbeitern als bisher. Wenn Sie in Deutschland auf einer Baustelle einen rumänischen Arbeiter sprechen, der beschissen wurde, und ihm Ihre Kontaktdaten geben, können Sie darauf wetten, dass Sie in den kommenden Wochen aus allen Teilen der Republik von rumänischen Arbeitern angerufen werden. Die haben alle ihre Community. Derartiges erwarten wir nun in Katar genauso. Und je mehr Kontakte zu Arbeitern wir haben, umso mehr Druck können wir machen.« (SZ, 4.1.2017)

Ob der Vergleich angebracht ist? Schließlich ist die IG BAU in Deutschland viel breiter vernetzt und verfügt über ganz andere Möglichkeiten. Noch im März 2016 war von einem vor Ort agierenden Gewerkschafter zu lesen:

»Leider zwingen die Verhältnisse in Katar einen Gewerkschafter zur Arbeit im Untergrund. Deshalb müssen wir auch mit dem hiesigen Büro der Internationalen Bauarbeitergewerkschaft auf Tarnung achten.« (zit. n.: der Freitag: 17.11.2016).

Immerhin: Die formale Abschaffung des Kafala-Systems im Zuge der Arbeitsrechtsreform Ende 2016 kann als Ergebnis vor allem gewerkschaftlichen Drucks gewertet werden. Dennoch ist zu hören, die Bedingungen auf den Baustellen hätten sich nur unwesentlich gebessert. Zu prüfen ist das nur schwer. Meldungen über tödliche Arbeitsunfälle haben sich jedenfalls deutlich verringert. Auch wenn im Allgemeinen manches verschwiegen wird, so dürfte sich die Quote in der Tat verringert haben: Meldungen über hunderte, wenn nicht tausende Tote bis zur WM wären für die FIFA und den Gastgeber kaum durchzuhalten. Doch hier und da sickern noch immer Nachrichten über tödliche Unfälle durch. Im Mai 2017 meldete middle-east-online, drei Arbeiter seien auf einer Baustelle einer katarischen Militäranlage ums Leben gekommen, zudem habe es mehrere Verletzte gegeben. Und: »Es wurde bekanntgegeben, dass in den vergangenen sieben Monaten zwei Arbeiter auf WM-Baustellen ums Leben kamen. Einer von ihnen, Zac Cox, starb im Januar bei einem Sturz im erneuerten Khalifa-Stadion.« (middle-east-online.com, 17.5.2017).

Nachdem die ILO damit gedroht hatte, bei der UNO eine Untersuchung zu beantragen, kündigte das katarische Arbeitsministerium Ende Oktober 2017 weitreichende Reformen an. Unter anderem sollen, so der IGB, Beschäftigte künftig ohne Probleme das Land verlassen können und Arbeitskräfte in Herkunftsstaaten nicht mehr so leicht mit Verheißungen auf gute Bedingungen angelockt werden können. Dazu sollen Arbeitsverträge fortan bei einer staatlichen Behörde eingereicht werden. Zudem soll ein Mindestlohn eingeführt werden. ILO und IGB begrüßten diesen Schritt mit großem Nachdruck, schließlich bewegte sich Katar auch erst auf ihren Druck hin. Und doch sind Zweifel begründet, mit Claudia Wrobel ist auf eine nüchternere Reaktion aus einem der Hauptherkunftsländer der migrantischen Arbeitskräfte zu verweisen:

»Andere Nichtregierungsorganisationen, die allerdings nicht die Strahlkraft und den Einfluss dieser internationalen Verbände haben, sind bedeutend zurückhaltender in ihrer Erwartung. Rafeek Ravuther zum Beispiel, der Direktor des indischen Instituts für Arbeitsmigration, betonte, dass es natürlich darauf ankäme, abzuwarten, ob die Reformen nun auch umgesetzt würden. Er erinnerte daran, dass bereits Anfang des Jahres darüber gesprochen wurde, Ausreisegenehmigungen für Arbeiter unproblematisch auszustellen. Still und leise sei dies aber wieder begraben worden. ›Ich warte erst mal ab, was aus den Reformen wird‹, bleibt er skeptisch.« (jW, 14.11.2017).

Bei diesem Artikel handelt es sich um die stark gekürzte Fassung eines Kapitels aus dem Buch des Autors »In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022«. Wir danken für die Genehmigung, diesen Auszug zu veröffentlichen. Quellenangaben können im Buch im Detail nachvollzogen werden.

Glenn Jäger hat Anglistik und Sozialwissenschaften studiert. Er ist im Verlagswesen und der Erwachsenenbildung tätig sowie in der Betriebssport-Liga Bonn fußballerisch aktiv.

URL: http://www.blickpunkt-wiso.de/post/unter-anklage-moderne-sklaverei-arbeitsbedingungen-auf-wm-baustellen-in-katar--2198.html   |   Gedruckt am: 19.06.2018