Lektüretipps für den Sommer 2016

4. August 2016 | Redaktion

eit ist Lesezeit. Sie finden daher nachfolgend einige Hinweise auf literarische Veröffentlichungen, Krimis und Biografien, die wir für lesenswert erachten. – Mit diesen Lektüretipps verabschieden wir uns in die Sommerpause. Der nächste Artikel erscheint am 7. September. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern bis dahin eine schöne Zeit!

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Donna Tartt: Der Distelfink

Wahrlich ein dicker Schmöker. Gut tausend Seiten aus einer einzigen Erzählperspektive heraus verfasst, und es funktioniert. Bis auf einen kleinen Hänger nie langweilig, sondern auf erzählerisch hohem Niveau immer vorantreibend und fesselnd geschrieben.

Wer die  Entwicklung des Protagonisten, der mit 13 Jahren auf tragische Weise seine Mutter verliert, bis zum nie vorhersehbaren Ende mitverfolgt, wird reich belohnt, und dürfte wohl noch länger über Donna Tartts die Handlung beschließende unpathetische Reflexionen zur Bedeutung und zum Sinn des Lebens nachdenken.

Eine Rezension unter vielen bei FAZ.net

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Andrzej Stasiuk: Hinter der Blechwand

Der Osten Osteuropas ist zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine vergessene, verarmte und hoffnungslos abgehängte Region. Viele Menschen hat es längst in die Großstädte und ins Ausland gezogen, Wladek und Pawel aber sind geblieben. In einem alten Transporter klappern sie die Märkte und Basare ab und kommen mit dem Verkauf von Altkleidern gerade so über die Runden - bis sie eher zufällig in das kriminelle Treiben von Menschenschmugglern hineingezogen werden.

Der polnische Autor Andrzej Stasiuk schildert eine aus den Fugen geratene, untergehende Welt in einer zur Atmosphäre der Trostlosigkeit und latenten bis ausbrechenden Gewalt passenden kargen und lakonischen Sprache. Kein Wohlfühlbuch.

Rezensionen finden sich beim Kulturmagazin Perlentaucher

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Rachel Kushner: Flammenwerfer

Die 70er: New Yorker Konzeptkunstszene, Motorräder und die römischen Roten Brigaden. Wie das zusammengeht und sich zu einem großartigen Gesellschaftsroman verbindet, davon sollte man sich man sich bei der Lektüre am besten selbst überzeugen.

Mehr zum Buch und zur Autorin bei Zeit online

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Navid Kermani: Das Buch der von Neil Young Getöteten

Ein Vater entdeckt, dass nur die Musik von Neil Young gegen die Drei-Monats-Koliken seiner Tochter hilft. Die Lieder scheinen sie zu beruhigen. Das Buch ist eine fast philosophische Reise durch den Kosmos des kanadischen Musikers. Nicht nur dessen Fans werden das bereits 2002 erschienene essayistische Buch mögen.

Rezensionen dazu hat der Perlentaucher versammelt

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Alan Sillitoe: Die Einsamkeit des Langstreckenläufers

Keine 100 Seiten lang, gilt die schon 1959 erschienene und 1962 verfilmte Erzählung über einen jungen Häftling, der auf seine Weise gegen den repressiven Jugendstrafvollzug rebelliert, als Klassiker der englischen Arbeiterliteratur. Immer noch sehr lesenswert.

Verlagsinformation

Nachruf auf den Autor

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KRIMI:

Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand – Denglers achter Fall

Wie von Schorlau gewohnt, strickt der Autor um reale Ereignisse eine raffinierte und spannende Geschichte. Diesmal geht es um die Verwicklung des Staates in die Mordserie des NSU.

Rezension bei Arbeit Zukunft online

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Paul Colize: Back up

Was hat es mit dem nach einem merkwürdigen Verkehrsunfall unter einem Locked-In-Syndrom leidenden Mann aus Brüssel auf sich? Niemand scheint ihn zu kennen, bis es einem Physiotherapeuten gelingt, dem Traumatisierten seine Geschichte zu entlocken. Das Ganze ist auch ein spannender Trip zurück in die 1960er Jahre, denn dort, in der damals aufstrebenden Rockmusikszene nimmt ein mysteriöses Verbrechen seinen Anfang.

Rezension bei Sounds & Books

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Michael Lüders: NSA - Never Say Anything

Die Journalistin Sophie Schilling will von ihrer Marokkoreise eigentlich nur eine harmlose Reportage mitbringen, gerät dabei aber in ein Massaker. Im Bestreben, die Hintergründe aufzudecken, stößt sie auf brisante Fakten, die eine Spur zum amerikanischen Militär aufzeigen.

Lüders ist von Hause aus Politik- und Islamwissenschaftler. Als nicht unumstrittener Nahostexperte ist er spätestens seit seinem Sachbuch "Wer den Wind sät" von 2015 einem breiteren Publikum bekannt.

Rezension bei Bayern2

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Umberto Eco: Nullnummer

Auf Betreiben eines dubiosen Hintermanns soll eine neue Tageszeitung gegründet werden. Einer der Journalisten entwickelt nebenher eine wilde Verschwörungstheorie und wird plötzlich ermordet. In seinem letzten Roman setzt sich der im Februar 2016 verstorbene Autor und Professor für Zeichentheorie in Form einer Kriminalgeschichte mit einem wichtigen Aspekt des Aufstiegs Berlusconis auseinander. Dabei gewährt er Einblicke in die Tricks, mit denen Tageszeitungen ihre Leser/innen manipulieren können.

Rezensionen dazu hat der Perlentaucher versammelt

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Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

Im kommunistischen Laos der späten 70er wird Dr. Siri Paiboun, 72 Jahre alt, vom Politbüro zu Laos' einzigem Pathologen ernannt. Eher widerwillig nimmt er sein Amt auf, doch es dauert nicht lange und er hat seine erste Leiche im Kühlhaus.

Der Brite Colin Cotterill war 20 Jahre in Asien unterwegs. In seinem Erstling wie auch in den Folgewerken verwebt er die Krimihandlung geschickt mit humorvollem Einblicken in den laotischen Alltag.

Rezension bei Krimi-Couch.de

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BIOGRAPHIE:

Jens Rosteck: Jane und Paul Bowles. Leben ohne anzuhalten

Was für ein verrücktes, unmögliches Künstlerpaar. Der Musikwissenschaftler und Kulturgeschichtler Jens Rosteck schildert in seiner hervorragend geschriebenen Doppelbiographie nahezu kongenial Leben und Werk der beiden rastlosen amerikanischen Schriftsteller.

Rezension bei Deutschland Radio Kultur

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Didier Eribon: Rückkehr nach Reims

Eine Autobiographie und gleichzeitig ein Roman und eine soziologische Studie: Die Nachricht vom bevorstehenden Tod seines Vaters veranlasst den Soziologen Didier Eribon nach Jahren der Kontaktlosigkeit zu seiner Familie zurückzukehren. Als ehemals überzeugte Kommunisten sind sie zu Wählern des Front National geworden.

Eribon setzt sich nicht nur mit seiner persönlichen Geschichte als Arbeiterkind auseinander, sondern liefert zugleich auch eine politische Auseinandersetzung mit der französischen Arbeiterklasse und den Fehlern der politischen Linken.

Buchvorstellung bei Freitag.de

Interview mit dem Autor bei Zeit online

URL: https://www.blickpunkt-wiso.de/post/lektueretipps-fuer-den-sommer-2016--1824.html   |   Gedruckt am: 23.10.2019