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miese-jobs.de Nachrichtenüberblick 19/2017

24. Oktober 2017 | Markus Krüsemann

Ob Leiharbeit, Minijobs, Befristungen oder Niedriglöhne: Miese Jobs gibt es viel zu viele. Wir veröffentlichen in der Regel alle 14 Tage einen Überblick über Nachrichten und Berichte zu unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen. Das Topthema dieser Ausgabe: Multijobber.

Die nächste Ausgabe dieses Nachrichtenüberblicks erscheint am Dienstag, dem 07.11.2017

1] TOPTHEMA: MULTIJOBBER

Kaum hatte Rot/Grün 2003 dafür gesorgt, dass Minijobs als Nebenjobs "abgabentechnisch" wieder attraktiv wurden, nahm die Zahl der Personen mit Nebenjob sprunghaft zu. Mittlerweile haben über drei Millionen Erwerbstätige einen Zweit-oder gar Drittjob. Darunter sind 2,6 Millionen, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem Minijob kombinieren. Da reicht das Geld aus dem Hauptjob wohl nicht, um über die Runden zu kommen, wird so mancher wohl eher intuitiv gedacht haben. Die solche Interpretationen nahelegenden Medienberichte riefen umgehend die Verteidiger des arbeitgeberfreundlich segmentierten Arbeitsmarktes auf den Plan. Sie waren auffällig bemüht, die Entwicklung zu verharmlosen und auf das Ausnutzen von Steuervorteilen zu fokussieren.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte über die Motivlage der Multijobber tatsächlich noch weitgehend Unklarheit, bis, ja bis das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung kurz darauf seine neuesten Befunde zu den Ursachen der Mehrfachbeschäftigung allen zugänglich machte. Und siehe da: Es sind eben doch vor allem die Faktoren unfreiwillige Teilzeitarbeit und Niedriglöhne, die die Menschen in Zweitjobs treiben. Hinzu kommt wohl auch der ein oder andere Gutgestellte, der sich die weitgehende Steuer- und Abgabenfreiheit von Minijobs dort zunutze macht, wo Mehrarbeit durch Überstunden oder Arbeitszeitausweitung eventuell sogar zu Nettolohnverlusten führen würde. Doch lesen Sie selbst...

Tausende Polizisten mit Nebenjob

Von den 42 000 Beschäftigten bei Bayerns Polizei - darunter rund 32 500 Polizeibeamte, der Rest sind sonstige sogenannte Tarifkräfte - haben rund 6300 einen genehmigten Nebenjob. Vor allem die in den großen Städten eingesetzte Polizisten verdienen sich oft noch etwas dazu.

»Allein in München haben fast ein Fünftel der Polizeikräfte einen Nebenjob.« Vor allem in den unteren Besoldungsgruppen A8 (2390 Euro bis 3080 Euro brutto monatlich) und A9 (2510 Euro bis 3251 Euro brutto monatlich) ist die Zahl der Nebenjobber laut Innenministerium groß.

Quelle: neues deutschland online vom 23.10.2017


Traurig - immer mehr Münchner müssen dazuverdienen

Der Trend geht zum Zweitjob – und dieser Trend zum Nebenjob ist ebenso traurig wie massiv. Und es werden immer mehr Münchner, die sich etwas dazuverdienen müssen. (...) Mittlerweile haben schon 71.000 Münchner neben ihrem Hauptjob noch eine weitere Tätigkeit in Form eines Minijobs.

Zwar sind damit beispielsweise auch Gutverdiener erfasst, die nebenbei als Dozenten arbeiten. Beim weitaus größten Teil handelt es sich aber um Geringverdiener, die sich mit dem zusätzlichen Gehalt das Einkommen aufbessern. Besonders verbreitet ist das im Gastgewerbe.

Quelle: tz.de vom 21.10.2017


Ansichtssache Armut

Teilzeitarbeit und niedrige Löhne als Ursache für steigende Zahl der Nebenjobs. Unternehmernahe Ökonomen sehen das anders. Nebenerwerbstätigkeit sei »kein Indiz für Armut«, schreibt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf dessen Internetseite.

Wie das IW »vorrechnet«, kann die Kombination aus einer sozialversicherungspflichtigen Stelle und einer abgabenfreien Nebentätigkeit (...) finanziell sinnvoller sein als eine Lohnerhöhung. (...) Dass das IW ausschließlich mit Beschäftigten in Vollzeit argumentiert, die zudem noch ein bescheidenes Bruttoeinkommen von 3.500 Euro im Monat haben, hat gute Gründe.

Quelle: junge Welt online vom 19.10.2017


Mehr Menschen haben einen Nebenjob

Etwa drei Millionen Menschen haben in Deutschland zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einen Nebenjob. (...) Die Mehrfachbeschäftigten arbeiten der Studie zufolge in ihren Hauptberufen oft in Teilzeit. Dabei werden sie schlechter bezahlt als Arbeitnehmer, die keinen Nebenjob haben.

Die Autoren der Studie sehen mehrere Gründe für den starken Anstieg der Mehrfachbeschäftigung: Es habe eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften gegeben, die Löhne hätten sich nur schwach entwickelt und Teilzeitbeschäftigung habe zugenommen.

Quelle: Zeit online vom 17.10.2017


Hauptjob von Nebenjobbern: eher Teilzeit, eher weniger gut bezahlt

Mehr als drei Millionen Erwerbstätige in Deutschland haben zusätzlich zu ihrer Hauptbeschäftigung einen Nebenjob. Oft sind Mehrfachbeschäftigte in ihrer Hauptbeschäftigung in Teilzeit tätig.

Die Hauptbeschäftigungen von Mehrfachbeschäftigten sind meistens weniger gut bezahlt als die Beschäftigungsverhältnisse von Personen ohne Nebenjob. Der Einkommensunterschied liegt bei rund 570 Euro pro Monat.

Quelle: Pressemeldung des IAB vom 17.10.2017


Nebenjobs: Die Brutto-für-netto-Falle

Wenn der normale Arbeitstag zu Ende ist, ist er für Gudrun F. und drei Millionen weitere Deutsche nicht zu Ende. Sie gehen einer zweiten Arbeit nach, häufig, weil sie sonst schlecht über die Runden kommen.

Die Wissenschaftler warnen: Die Befreiung der Minijobs von Steuern und Sozialabgaben wiegt viele Arbeitnehmer in der Illusion, ihnen gehe es besser, als dies der Fall ist. Das Aufwachen kommt, wenn sie etwa im Alter mit geringer Rente dastehen.

Quelle: Süddeutsche.de vom 17.10.2017


Arm trotz Arbeit: 3,2 Millionen Menschen haben mehrere Jobs

Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Konjunktur ist gut - doch immer mehr Beschäftigte in Deutschland gehen mehreren Jobs nach. Eine Arbeit reicht oft nicht zum Leben.

Binnen zehn Jahren ist die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in Deutschland um rund eine Million gestiegen. Vergangenen März hatten 3,2 Millionen Menschen mehr als einen Job, wie aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervorgeht.

Quelle: Spiegel online vom 13.10.2017


Die Minijobs im Nebenjob breiten sich auch 2017 weiter aus

2016 hatte sich der von der Einführung des Mindestlohns zunächst angestoßene Abwärtstrend bei den geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen nicht fortgesetzt. Auch im ersten Quartal des Jahres 2017 zeigen sich wieder leichte Zuwächse.

Sie beruhen darauf, dass die steigende Nachfrage nach Minijobs im Nebenjob ungebrochen ist. (...) Ende des ersten Quartals dieses Jahres hat die Bundesagentur für Arbeit 2,63 Mio. Erwerbstätige ausgewiesen, die einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung nachgingen.

Quelle: miese-Jobs.de vom 13.10.2017


Der Trend geht zum Zweitjob

In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der Mehrfachbeschäftigten nahezu kontinuierlich um rund eine Million zu. 3,2 Millionen Deutsche hatten im vergangenen März mehrere Jobs. (...) Ganz offensichtlich spielen die Minijobs hier eine ganz zentrale Rolle.

Der entscheidende Punkt: Die Nebenjobs auf Basis geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse werden von den Steuerzahlern subventioniert - und sie haben eine verzerrende Wirkung auf dem Arbeitsmarkt.

Quelle: Aktuelle Sozialpolitik, Blogeintrag vom 13.10.2017


Hauptberuf plus Minijob = Steuervorteil

Die meisten Menschen, die zwei Stellen haben, kombinieren eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einem Minijob. Mit 2,7 Millionen Betroffenen ist das die häufigste Konstellation.

„Einen Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Stelle zu haben, ist steuerlich höchst interessant“, sagt Schäfer. „Für viele, die sich zu ihrem Hauptberuf etwas hinzuverdienen möchten, ist das attraktiver als Überstunden zu machen.“

Quelle: FAZ.net vom 13.10.2017


„Ein Job reicht nicht zum Überleben“

Immer mehr Menschen gehen neben der regulären Arbeit Nebenjobs nach. Ein Skandal, findet Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband (...): "Neun Millionen Menschen in diesem Land arbeiten im Niedriglohnsektor. Da reicht ein einzelner Job oft nicht zum Überleben."

"Auch durch erzwungene Teilzeit und die steigenden Mieten sind Menschen dazu gezwungen, Nebenjos nachzugehen. Mehr als 300.000 Menschen benötigen sogar mehr als einen Minijob zusätzlich, um über die Runden zu kommen. Das ist alarmierend."

Quelle: taz.de vom 13.10.2017


90.000 Berliner können auf einen Zweitjob nicht verzichten

Die Mieten steigen, das Leben wird immer teurer – viele Berliner kommen mit nur einem Einkommen nicht mehr zurecht: Seit 2003 ist in der Hauptstadt die Zahl der Menschen mit Zweitjob von 34.276 auf 89.697 gestiegen.

Fast jeder zwanzigste Arbeitnehmer (5,8 Prozent) hat damit einen doppelten oder gar dreifachen Arbeitsplatz. Ein regulärer Beruf, dazu noch ein 450-Euro-Job – das ist das Modell, das die allermeisten Mehrfachbeschäftigten (70 511) wählen.

Quelle: BZ-Berlin.de vom 13.10.2017



2] WEITERE BERICHTE

Wunsch und Wirklichkeit

Ein Job an der Uni? Sollte man sich gut überlegen. Dem wissenschaftsunterstützenden Personal attestiert eine Studie erschwerte Bedingungen. (...) "Als großes Problem hat sich das Thema Befristung erwiesen, da sehen wir Handlungsbedarf", sagt Michaela Kuhnhenne.

Laut Studie beträgt der Anteil der befristet Beschäftigten 23 Prozent. (...) Hinzu kommt: Nur sechs Prozent der Befragten will die Befristung, der Rest hätte gern eine Stelle ohne Ablaufdatum.

Auch bei der Frage Teilzeit oder Vollzeit klaffen Wirklichkeit und Wunsch auseinander.

Quelle: Süddeutsche.de vom 22.10.2017


Billigware Mensch

Sie kommen mit ein paar Habseligkeiten und suchen nur eins: einen Job. Ohne Vertrag, egal zu welchem Lohn. In vielen deutschen Großstädten gehören Tagelöhner inzwischen zum Stadtbild. Auch in Köln. Kritiker sprechen von "moderner Sklaverei".

Seine Kritik richtet sich aber vor allem an diejenigen, die die Arbeiter zu Dumpinglöhnen und ohne rechtliche Absicherung anheuern: "Die nutzen ja diese Situation aus, das ist Ausbeutung!“, empört er sich. Kein Vertrag. Kein Arbeitsschutz. Kein Recht auf Urlaub. Löhne deutlich unter dem Mindestlohn.

Quelle: Domradio.de vom 21.10.2017


Arbeit für Internetplattformen bringt wenig Geld und viele Probleme

Wer für so eine Plattform arbeitet, verdient in der Regel weniger als zehn Prozent seines Einkommens auf diesem Weg, ergänzte Ursula Huws, Professorin an der britischen Universität Hertfordshire, die in sieben EU-Staaten, darunter Österreich, eine Umfrage zu "Cloudwork" gemacht hat.

Die meisten Menschen haben es sich nicht freiwillig ausgesucht, für so eine Plattform zu arbeiten und sind aktiv auf der Suche nach einem sichereren und dauerhaften Job, sagte Huws. Abgesehen von der schlechten und unsicheren Bezahlung haben sie auch zahlreiche Probleme.

Quelle: Finanzen.at vom 20.10.2017


Armutsrisiken werden größer

„Die Armutsrisiken sind von Alt zu Jung gewandert“, stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nun zur Ungleichheit im Alter fest (...). Doch das goldene Rentnerzeitalter neigt sich dem Ende zu. (...) Denn unter den künftigen Ruheständlern gibt es viele, die schlecht für das Alter abgesichert sind.

Das gilt vor allem für Alleinerziehende, Geringverdiener und für Menschen mit langen Zeiten der Arbeitslosigkeit. Auch in Deutschland droht die Schere bei den Alterseinkünften in den kommenden Jahren auseinanderzugehen.

Quelle: Welt online vom 19.10.2017


Mindestlohn am Bau steigt

Tausende Beschäftigte am Bau in Deutschland erhalten ab 1. Januar 2018 einen höheren Mindestlohn. In der dritten Verhandlungsrunde einigten sich die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt und die Arbeitgeber auf ein deutliches Plus in zwei Schritten.

Demnach steigt der bundesweit geltende Mindestlohn für Ungelernte am Bau zum Beginn des neuen Jahres von 11,30 auf 11,75 Euro und ab 1. März 2019 auf 12,20 Euro. Das entspricht dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zufolge einem jährlichen Plus von rund vier Prozent.

Quelle: Zeit online vom 18.10.2017


Drese kämpft um gleichen Mindestlohn in Pflege-Berufen

Gleicher Mindestlohn für gleiche Arbeit: Mit diesem Credo setzt sich Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) für eine Abschaffung eine Lohn-Lücke in Pflegeberufen zwischen Ost und West ein – und torpediert damit einen Vorschlag der Pflegekommission des Bundes, wonach die Löhne nur langsam angepasst werden sollen.

Mehrere Landesregierungen wollen im Dezember offenbar Dreses Vorstoß zustimmen. Derzeit erhalten Pfleger in den alten Bundesländern 70 Cent Mindestlohn pro Stunde mehr als Berufskollegen in neuen. Das müsse anders werden, fordert Drese.

Quelle: Ostsee-Zeitung.de vom 18.10.2017


Experten fordern Abschaffung der Minijobs

Wer in (...) Minijobs arbeitet und nicht mehr als 450 Euro verdient, muss weder Einkommensteuer noch Beiträge für die Sozialversicherung zahlen. (...) Grundsätzlich kritisieren die Verfasser allerdings, dass der Staat die sogenannten Minijobs durch Steuer- und Abgabenfreiheit subventioniert.

„Diese staatliche Begünstigung von Nebenjobs ist unnötig und sollte gestrichen werden“, sagt Weber, Forschungsdirektor des IAB. Geringverdiener durch die Förderung der Minijobs in die Mehrfachbeschäftigung zu treiben, sei sozialpolitisch kurzsichtig.

Quelle: Welt online vom 18.10.2017


Viersprachig, berufserfahren, Magister und in Leiharbeit

In die Leiharbeitsfalle geraten nicht nur gering qualifizierte Arbeitskräfte - betroffen sind auch gut ausgebildete und berufserfahrene Akademiker. So wie eine studierte Kommunikationswissenschaftlerin, die seit vier Jahren keinen regulären Job findet.

Sie möchte, dass die Öffentlichkeit auch über Fälle wie den ihren Bescheid weiß, "weil diese Zeitarbeitsanstellung natürlich auch dazu führen kann, dass auf sehr hohem Niveau sich da so ein Prekariat bilden kann."

Quelle: Deutschlandfunk.de vom 17.10.2017


Jeder zehnte Mann arbeitet Teilzeit

Noch immer verringern eher Frauen ihre Beschäftigung, aber ihre Quote sinkt. Nie zuvor gingen in Deutschland mehr Männer einer Teilzeitbeschäftigung nach als heute.

2016 hatten 10,8 Prozent der rund 19 Millionen abhängig beschäftigten Männer einen Teilzeitjob, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegen. Seit 1991 hat sich die Teilzeitquote bei den männlichen Angestellten von damals 2,1 Prozent bis heute mehr als verfünffacht.

Quelle: RP online vom 17.10.2017


Der Rentenreport

Ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland sind Geringverdiener. ARD-Datenjournalisten haben ermittelt: Bei über 100 Berufen bringt das Einkommen selbst nach 45 Jahren Vollzeitarbeit keine Rente, die über der Armutsgefährdungsquote liegt.

Das muss nicht zwangsläufig Altersarmut bedeuten. Vermögen, Immobilien oder anders privat vorzusorgen, das hilft natürlich. Aber wem? Den meisten Menschen im Niedriglohnsektor jedenfalls nicht.

Quelle: DasErste.de vom 16.10.2017


Verkäufer in Luxus-Kaufhäusern sind oft keine Angestellten

Mehrere Hundert Verkäufer arbeiten in Berliner Luxus-Kaufhäusern ohne Arbeitsvertrag und Angestelltenverhältnis: Als „Solo-Selbstständige“ müssen sie auf eigene Rechnung arbeiten, weil ihre Arbeitgeber die Sozialabgaben sparen wollen.

Das berichtet der „Berliner Kurier“ unter Berufung auf eine Mitteilung der Gewerkschaft Ver.di. Demnach müssen Mitarbeiter von Weinabteilungen Rechnungen über „Weinproben“ schreiben, obwohl sie ganz gewöhnliche Jobs in Kaufhäusern machen. Vom Mindestlohn können die Ein-Mann-Betriebe nur träumen.

Quelle: Focus online vom 16.10.2017


Mindestlohn gilt auch für Saisonarbeiter

Saisonkräfte in Wintersportgebieten sind reguläre Arbeitnehmer, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie andere Beschäftigten. Deshalb haben sie in Deutschland auch Anspruch auf den Mindestlohn.

Es gibt aber eine Ausnahme: Arbeitgeber dürfen zwar Sachleistungen wie einen Dienstwagen eigentlich nicht auf den Lohn anrechnen.

Bei Saisonarbeitern sei es aber ausnahmsweise zulässig, Kost und Logis abzuziehen. Wer als Saisonkraft auf Kosten des Arbeitgebers wohnt, muss also mit weniger Geld rechnen.

Quelle: Lausitzer Rundschau online vom 14.10.2017


Ökostrom-Umlage belastet Geringverdiener deutlich stärker als Reiche

Für die Förderung des Ökostroms müssen Geringverdiener einen bis zu fünf Mal höheren Anteil ihres Haushaltseinkommens ausgeben als die reichsten Privathaushalte. Das geht aus einer unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Demnach gibt das ärmste Zehntel der Haushalte 1,6 Prozent seines Jahreseinkommens für die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Das reichste Zehntel wendet dagegen nur 0,3 Prozent des Einkommens für die EEG-Umlage auf.

Quelle: Hasepost.de vom 12.10.2017


Gründerboom bringt fast nur Billigjobs

Die Gründer-Region Berlin Brandenburg entpuppt sich bei näherem Hinsehen als neuer Niedriglohnsektor (...). In der Hauptstadt führen selbständige Bauarbeiter, Einzelhändler und private Dienstleistungen, zum Beispiel Putzkräfte die Top 10 an.

Etwa 80 Prozent der Gründungen in der Region sind Einzelunternehmen, also mehrheitlich Selbständige. Mehr als 20.000 Selbständige in der Region können von ihrem Gewerbe nicht leben und sind auf Hartz IV-Leistungen angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Quelle: rbb24.de vom 12.10.2017


DGB warnt vor Aufweichung des Mindestlohns

Die Landesregierung aus CDU, FDP und Grünen in Kiel will den Mindestlohn “handhabbarer und praxisnäher” machen, indem bei der Arbeitszeiterfassung zwischen Voll- und Teilzeit unterschieden wird.

Der DGB befürchtet dahinter die Absicht, Teilzeitkräfte von der Erfassung der Arbeitszeit ganz auszunehmen. “Wer die Arbeitszeit nicht dokumentieren will, will nicht weniger Bürokratie, sondern mehr Ausbeutung”, erklärte Hoffmann.

Quelle: Reuters Deutschland online vom 12.10.2017


Nur 46 Prozent der Lehrer arbeiten Vollzeit

Weniger als die Hälfte der Lehrer in Baden-Württemberg haben im vergangenen Schuljahr Vollzeit in ihrem Beruf gearbeitet. Nur rund 46 Prozent hatten in diesem Zeitraum einen vollen Lehrauftrag, wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte. Das sind 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Viele Lehrer sagen, bei der Belastung im Beruf sei eine Vollzeitstelle gar nicht zu schaffen“, erzählt Matthias Schneider, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Sogar Berufseinsteiger beantragen Schneider zufolge häufig Teilzeitarbeit.

Quelle: Stuttgarter-Zeitung.de vom 11.10.2017


Markus Krüsemann ist Soziologe und Mitarbeiter am Göttinger Institut für Regionalforschung. Unter www.miese-jobs.de betreibt er ein Informationsportal zu atypischen und prekären Beschäftigungsformen.

URL: http://www.blickpunkt-wiso.de/post/2130